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Eine historische Saison: Part I

Der SK Puntigamer Sturm Graz holte zum 2. Mal in der Vereinsgeschichte das Double aus Pokal und Meisterschaft und krönte somit eine Spielzeit mit unglaublich vielen Höhepunkten schlussendlich mit zwei Titeln. Europäisches Überwintern, Titelverteidigung im Cup und die erste Meisterschaft seit 2011 – ein Rückblick in zwei Teilen.

Tomi Horvat war in der abgelaufenen Saison mit 21 Scorerpunkten der gefährlichste Sturm-Akteur, seinen ersten Treffer – ein Traumtor noch dazu – erzielte der slowenische Nationalspieler im ersten Bundesliga-Heimspiel gegen den LASK. © GEPA Pictures

Auftakt nach Maß, Ernüchterung in der Champions League-Qualifikation

Der Auftakt in eine der besten Saisonen der Vereinsgeschichte sollte an jenem Ort über die Bühne gehen, an dem nur wenige Monate zuvor der erste Titel der Ära Schicker-Ilzer gefeiert wurde – in Klagenfurt. In der ersten Runde des UNIQA ÖFB-Cups wartete der SAK Klagenfurt auf Schwarz-Weiß. Die Kärntner wurden in einer von Wetterkapriolen geprägten und unterbrochenen Partie schlussendlich klar mit 7:2 in die Schranken gewiesen. Eine Woche später stand der Liga-Auftakt gegen die Wiener Austria auf dem Programm – die Veilchen wurden in Favoriten in souveränster Art und Weise mit 3:0 besiegt. Am darauffolgenden Wochenende gastierte der LASK in Graz-Liebenau vor 14.720 Zuschauer:innen und auch die Linzer konnten den Steirern nichts entgegensetzen – 2:0 hieß es am Ende.

In der UEFA Champions League-Qualifikation wurde dem Team von Cheftrainer Christian Ilzer mit PSV Eindhoven ein holländisches Topteam zugelost, wobei man zum damaligen Zeitpunkt noch nicht wusste, wie gut die Saison der Niederländer schlussendlich laufen sollte (Supercup-Sieg, souveräner Meister, Champions League-Achtelfinale). So wurden dem SK Sturm in beiden Partien die Grenzen aufgezeigt und man verabschiedete sich mit einem Gesamtscore von 2:7 in die UEFA Europa League-Gruppenphase.

Zwischen den beiden Champions League-Qualifikationsspielen remisierte man das erste Mal national – gegen den SK Austria Klagenfurt kam Schwarz-Weiß nicht über ein 0:0 hinaus, David Schnegg sah aufgrund einer Notbremse früh Rot. Vier Tage nach dem Rückspiel gegen PSV trat Sturm die Reise ins Ländle an, man gastierte beim am Saisonende abgestiegenen SC Austria Lustenau. Bei hochsommerlichen 30 Grad zitterte man am Ende zwar etwas, doch Gregory Wüthrich erzielte beim 1:0 Erfolg den Treffer des Tages. In weiterer Folge wurden auch Aufsteiger Blau-Weiß Linz sowie der SCR Altach besiegt.

William Bøving erzielte beim verdienten 1:0 Auswärtserfolg in Polen gegen Raków Częstochowa den Siegestreffer, der für das erste europäische Überwintern seit 23 Jahren von immenser Bedeutung war. © GEPA Pictures

Unentschieden gegen Salzburg, erster internationaler Auswärtssieg seit 2021

Am 16. September kam es zum ersten ganz großen nationalen Aufeinandertreffen der beiden besten Teams im österreichischen Klubfußball. Sturm empfing Salzburg in der Merkur Arena und man trennte sich mit einem 2:2 Unentschieden. Für Sturm trafen Manprit Sarkaria und Otar Kiteishvili, Letzterer erzielte ein absolutes Traumtor – Distanzschuss, Lattenpendler – großer Jubel! International wurden den Blackies mit Atalanta Bergamo und Sporting Lissabon zwei sehr starke Gegner zugelost, komplettiert wurde die Gruppe vom polnischen Meister Rakow Częstochowa. Heute weiß man: Sporting fuhr die souveräne Meisterschaft in Portugal ein und Atalanta Bergamo ließ den bis zu diesem Zeitpunkt ungeschlagenen deutschen Meister 2023/24 – Bayer Leverkusen – im Europa League Finale beim 3:0 Sieg keine Chance. Sprich: Absolute Topgegner! Das erste Mal spürte Sturm die Klasse dieser Teams bei der knappen 1:2 Heimniederlage gegen Sporting zum Auftakt der Gruppenphase, wo jedoch ein Punktgewinn im Bereich des Möglichen lag.

Drei Tage später trennte man sich in Wien-Hütteldorf mit einem 1:1 vom SK Rapid. In der zweiten Cup-Runde wurde der SV Leobendorf in Niederösterreich souverän mit 3:0 besiegt und eine Woche später legte man den Grundstein für das erste europäische Überwintern seit 23 Jahren. William Bøving traf gegen Raków Częstochowa zum 1:0 Sieg in Polen, dem ersten vollen Erfolg auf internationalem Parkett seit 2021. In der heimischen ADMIRAL Bundesliga wurden der Wolfsberger AC und der TSV Hartberg jeweils mit 2:1 besiegt und am 26. Oktober feierte Sturm einen wahren, internationalen Achtungserfolg. Am Nationalfeiertag kam der UEFA Europa League-Sieger der Saison 2023/24 nach Graz-Liebenau. Alexander Prass brachte Sturm in Front, ehe Luis Muriel mit zwei Treffern auf 2:1 aus Sicht der Bergamaschi stellte. Bereits wenige Minuten nach Beginn der zweiten Halbzeit sah Kapitän Stefan Hierländer eine umstrittene gelb-rote Karte. Die Grazer steckten jedoch nicht auf und kamen in der 80. Minute durch Szymon Włodarczyk zum Ausgleich, bei dem es auch blieb. Der vierte vielumjubelte Punkt war eingefahren.

Gregory Wüthrich erzielte im Achtelfinal-Derby gegen den Stadtrivalen die frühe Führung. © GEPA Pictures

Kurze Schwächephase, wichtiger Derbysieg

Nach dem – im Nachhinein – essenziell wichtigen Punktgewinn gegen den späteren UEFA Europa League-Sieger aus Bergamo folgte die erste Saisonniederlage in heimischen Gefilden. Am 29. Oktober musste man sich der Wiener Austria mit 0:1 geschlagen geben. In der darauffolgenden Woche stand man als nominelles Auswärtsteam dem GAK im Achtelfinale des UNIQA ÖFB-Cups gegenüber. Man ging zwar durch Gregory Wüthrich in Front, lag zur Pause jedoch mit 1:2 im Rückstand. Im Laufe der zweiten Halbzeit kam Sturm immer mehr auf, erzielte den Ausgleich und Bryan Teixeira avancierte mit seinem ersten Treffer überhaupt für Sturm zum großen Derbyhelden, 3:2 hieß es am Ende und das Viertelfinal-Ticket wurde gebucht.

Die beiden darauffolgenden Spiele sollten jedoch nicht nach Plan verlaufen. Dem LASK musste man sich – auch aufgrund eines verschossenen Elfmeters – in Linz mit 3:1 geschlagen geben, vier Tage später musste man in Norditalien die Klasse von Atalanta Bergamo anerkennen und man trat nach dem 0:1 ohne Punkte die Reise zurück in die steirische Landeshauptstadt an.

Die Erleichterung ob des ersten europäischen Überwinterns seit 23 Jahren war im schwarz-weißen Lager – trotz der 3:0 Niederlage – sehr groß. © GEPA Pictures

Bittere Europacup-Niederlagen mit glücklichem Ende

Von den Niederlagen ließ man sich jedoch nicht unterkriegen und schlug in der Liga mit zwei souveränen Erfolgen gegen Klagenfurt (3:0) und Lustenau (2:0) zurück. Am 30. November 2023 kam dann der polnische Meister Rakow nach Graz und eines war aufgrund der Ausgangslage klar: Verliert man gegen die Polen nicht, überwintert man das erste Mal seit 23 Jahren wieder in Europa. Über die Partie selbst müssen nicht viele Worte verloren werden. Das vielleicht schwächste Spiel der gesamten Saison ging mit 0:1 an die Polen und so musste die Herkulesaufgabe in Lissabon bewältigt werden, um das erste Saisonziel zu erreichen. National ging es mit zwei Duellen gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte weiter. In Linz gegen Blau-Weiß remisierte man, gegen den SCR Altach gewann man das letzte Heimspiel des Jahres 2023 mit 1:0.

Am 13. Dezember 2023 reiste die Sturm-Entourage von Graz nach Lissabon und hatte ein klares Ziel: Gegen das portugiesische Topteam das Überwintern in Europa perfekt zu machen. Lange Rede, kurzer Sinn: Gegen die Grün-Weißen aus Lissabon war in dieser Partie kein Kraut gewachsen und man musste mit 0:3 die Segel streichen. Das Positive? Rakow verlor daheim gegen Atalanta sogar mit 0:4 und somit war das erste europäische Überwintern und gleichzeitig das erste Saisonziel für Cheftrainer Christian Ilzer und sein Team perfekt. Somit ging es mit einem guten Gefühl in die rund dreiwöchige Winterpause, wo sich Gregory Wüthrich, Alexander Prass und Co. die nötige Energie für den anstehenden Frühling holen sollten.

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