Sieht und hört man ihn – wie zuletzt mit seinem Sohn und mit Ivica Vastic in der ShoppingCity Seiersberg – glaubt man es kaum: Professor Robert Seeger feiert am 22. Juli seinen 85er. Seine Stimme klingt wie eh und je voller Kraft und Charisma.
Seeger prägte den ORF-Fernsehsport
Robert Seeger prägte über Jahrzehnte den ORF-Fernsehsport in Österreich – als Moderator, Kommentator, Reporter und Redakteur. In der Steiermark und in Graz war er bereits seit 1965 als Radio-Sportreporter eine vertraute Stimme. Nach der Pensionierung von Max Pfliger übernahm er ab 1973 die Rolle des Sportchefs in der grünen Mark. Seine Liebe zum SK Sturm machte Seeger nie zum Geheimnis. Im Gegenteil: Seine Verbundenheit zu Schwarz-Weiß war weithin bekannt. Der legendäre Sturm-Präsident Franz Gady ernannte ihn deshalb bereits um 1980 augenzwinkernd zum heimlichen „Sturm-Vizepräsidenten“.
Geboren wurde Robert Seeger 1941 in Graz. In den 1950er-Jahren fand er – gegen den Wunsch seines Vaters, der aus ihm einen Violin-Virtuosen machen wollte – seinen Weg zu Sturm. „Ich ging 1956 heimlich in die Gruabn zum Spiel Sturm gegen Vienna, das Match endete 2:2“, erinnerte er sich später. Von diesem Moment an war seine Fußball- und Sturm-Leidenschaft entfacht. „Als Reporter stand ich immer dazu, dass man seine Jugendträume nicht einfach verdrängen kann.“
Ein Reporterleben
Anfang der 1960er-Jahre führte Seegers Weg zunächst in die USA, wo er im UNO-Filmarchiv arbeitete. Bei einem Heimatbesuch in Graz wurde er von Radio Steiermark interviewt – und gefragt, ob er nicht beim Rundfunk mitarbeiten wolle. „Damals habe ich mich für Graz und den Rundfunk entschieden“, erinnerte sich Seeger. 1967 wurde er fix angestellt, bis zu seiner Pensionierung 2006 war er insgesamt 40 Jahre lang für den ORF tätig. Auch danach blieb seine Stimme präsent: als freischaffender Kommentator, auf Privatsendern und bei zahlreichen Veranstaltungen.
Seine erste Fußball-Radioreportage absolvierte Seeger 1965 in der damaligen Kultsendung „Sport und Musik“, die für ihre beliebten Direkteinstiege bekannt war. Steiermark-Sportchef Max Pfliger war erkrankt, also sprang Seeger ein – beim Spiel GAK gegen Simmering, das 3:0 endete. Es war der Beginn einer langen Reporterkarriere. 1970 folgte seine erste Länderspielreportage in Graz beim Spiel gegen Jugoslawien, 1972 berichtete er erstmals von Olympischen Spielen, 1974 schließlich von seiner ersten Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland. Von da an wurde Robert Seeger zu einer der prägenden Stimmen des österreichischen Sports.
Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde
Der begeisterte Statistiker und Chronist Robert Seeger kommentierte im Laufe seiner Karriere exakt 1.056 Skirennen und mehr als 500 Fußballspiele. Von 1972 bis 2008 war er bei insgesamt zehn Olympischen Sommer- und Winterspielen als Kommentator im Einsatz. Dazu kamen neun Fußball-Weltmeisterschaften von 1974 bis 2006 – ebenso oft kommentierte er ein WM-Finale. Unvergessen bleibt auch seine Kommentierung des legendären 3:2-Sieges Österreichs gegen Deutschland 1978 in Córdoba – während Edi Finger damals im Radio Geschichte schrieb. Die beeindruckende Fülle an Einsätzen brachte Seeger schließlich sogar einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde ein.
Auch abseits der Kommentatorenplätze wurde Robert Seeger vielfach ausgezeichnet. 1997 erhielt er die Goldene Romy als beliebtester Sportmoderator des Landes. Das Große Ehrenzeichen des Landes Steiermark, das Goldene Ehrenzeichen der Stadt Graz sowie der 2003 von Bundespräsident Thomas Klestil verliehene Berufstitel Professor unterstreichen seine außergewöhnliche Laufbahn. Über viele Jahre moderierte Seeger zudem Sendungen wie „Sport am Montag“ und die „Sportarena“ und war lange Zeit Chefkommentator des ORF. Nach seiner Pensionierung blieb er dem Sportjournalismus als freier Mitarbeiter erhalten und berichtete unter anderem von großen Schwimm- und Leichtathletikbewerben. In Radio Steiermark war seine Stimme außerdem nicht nur im Sport zu hören – auch politische Magazine und Musical-Sendungen prägte er über Jahre hinweg mit.
Erste Gruabn-Liveübertragung 1969
Beginnend mit der Springer-Ära und der ersten Live-Übertragung aus der Gruabn gegen Rapid im Jahr 1969 war Robert Seeger über Jahrzehnte hinweg immer ganz nah dran an den großen Sturm-Momenten. Ob Arsenal 1970, die Schlechta-Ära mit den Aufstiegen gegen Sofia und Szombathely, die Ära Baric mit Herbstmeistertitel und Vizemeisterschaft 1980/81 oder die UEFA-Cup-Sensation unter Gernot Fraydl 1983/84 – Seegers Stimme begleitete viele prägende Kapitel der schwarz-weißen Geschichte.
Unvergessen bleibt auch die „Elfertragödie“ gegen Nottingham Forest im März 1984. Als Schiedsrichter Yuschka aus der damaligen UdSSR in der Verlängerung auf Strafstoß gegen Sturm entschied, musste im ORF-Kommentatorenbereich sogar ein Kopfhörer daran glauben. Es sind Szenen wie diese, die zeigen, wie sehr Robert Seeger nicht nur Reporter war, sondern mit dem Fußball und mit Sturm mitgelebt hat. Später folgte die Ära Osim mit Titeln, Champions-League-Abenden und dem unvergesslichen Triumph von Istanbul im Jahr 2000. Auch in dieser großen Sturm-Zeit war Robert Seeger eine Konstante. Seine Stimme ist über mehr als vier Jahrzehnte hinweg eng mit den Erfolgen des SK Sturm, aber auch mit den Höhen und Tiefen des österreichischen Fußballs verbunden – von Argentinien 1978 über Spanien 1982 bis Frankreich 1998. Auch heute ist Robert Seeger dem Sport und dem SK Sturm eng verbunden. Bei Heimspielen der Schwarz-Weißen ist er nach wie vor Stammgast und fiebert mit der Mannschaft mit großer Leidenschaft mit.
Die Sturm-Familie wünscht Robert Seeger zu seinem 85. Geburtstag alles Gute, Gesundheit und noch viele schöne Jahre mit seiner Gattin sowie viel Freude mit seinem in Wien erfolgreichen Sohn und dessen Kindern. Eine unsterbliche Legende ist er längst.