Ein Mann schaut in die Ferne.
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Thomas Tebbich über das Rekordjahr 2025

Thomas Tebbich, seit knapp zehn Jahren Geschäftsführer Wirtschaft des SK Sturm Graz, über sein 2025.

Im Sommer 2016 hast du beim SK Sturm das Amt des Geschäftsführers Wirtschaft übernommen. Hättest du damals gedacht, diesen Job in diesem schnelllebigen Business über so lange Zeit auszuüben?

Dass es über neun Jahre als Geschäftsführer werden würden, damit hätte ich nicht gerechnet. Vor allem, wenn man sich die Halbwertszeit der anderen Geschäftsführer in der österreichischen Fußball Bundesliga ansieht. Ich bin jetzt nach Christoph Längle von Altach der am längsten dienende Geschäftsführer in der Bundesliga. Es hat einfach Spaß gemacht, die einzelnen Abteilungen und somit das gesamte Unternehmen weiterzuentwickeln. Ich glaube, die Ergebnisse zeigen, dass wir in vielen Bereichen bereits einen sehr hohen Standard haben. Es macht einfach Spaß, für den Verein zu arbeiten.

2016 kratzte man budgettechnisch an der 10 Millionen Euro-Grenze. Das hat sich – zumindest in der abgelaufenen Saison – beinahe verzehnfacht. Wie lässt sich das erklären?

Die 90 Millionen Euro Umsatz, die wir im vergangenen Wirtschaftsjahr erzielt haben, teilen sich auf zwei große Bereiche auf. Die Champions League mit 30 Millionen Euro und die Transfererlöse mit über 30 Millionen Euro sind eine historische Marke, die wir erreicht haben. Man kann aber nicht davon ausgehen, dass das in den nächsten Jahren wieder so eintritt. Deswegen müssen wir akribisch daran arbeiten, so effizient wie möglich zu sein und die Kostenseite weiterhin gut im Überblick zu behalten.

Wie hat sich der SK Sturm in diesen knapp zehn Jahren im Klub verändert, was hat sich im heimischen Fußball geändert?

Der Verein hat im letzten Jahrzehnt eine massive Veränderung erfahren. Positiv sind die Weiterentwicklungen in den unterschiedlichsten Bereichen, für die ich verantwortlich bin. Klarerweise ist einer der großen Bereiche das Sponsoring, wo wir in der vergangenen Saison ein Rekordergebnis von über neun Millionen Euro erzielen konnten. Dann auch das Merchandising, bei dem wir mittlerweile drei Stores haben und auch den Onlineshop, wo wir deutlich über vier Millionen Euro umgesetzt und über 16.000 Trikots verkauft haben. Und natürlich auch alles, was die sportliche Abteilung betrifft, ob das die Ernährungsberatung, die medizinische oder sportliche Betreuung ist und dazu auch, was die Infrastruktur in Messendorf und das Jahrhundertbauprojekt in Puntigam angeht.

Zwei Männer reichen sich die Hand.
Die beiden Geschäftsführer des SK Sturm: Thomas Tebbich (links) und Michael Parensen. © SK Sturm

Mit diesem Umsatz und Mitarbeiterzahlen weit jenseits der Einhundert darf man Sturm zu den mittelgroßen Unternehmen des Landes zählen. Was ist das für ein Gefühl, in diesem rasant aufstrebenden Betrieb die wirtschaftliche Verantwortung innezuhaben, ein 90 Millionen Euro-Budget zu verwalten?

Natürlich bin ich stolz darauf, was uns gelungen ist in den letzten Jahren, die Titel, die wir erreicht haben und die wirtschaftlichen Zahlen. Wir bleiben aber bodenständig, versuchen, das Unternehmen auf stabilen wirtschaftlichen Beinen zu halten. Die Verantwortung ist auch deshalb so groß, weil es, glaube ich, kein anderes Unternehmen in der Steiermark gibt, welches medial so präsent ist wie der SK Sturm. Deshalb ist die Verantwortung und der Druck, der auf unseren Schultern lastet, sehr hoch.

Zum Umsatzplus trägt auch die neue SportsBar – Das Eggenberg sowie der Longin Klub bei. Hat sich die Errichtung dieser zusätzlichen VIP-Hospitality im Süden des Stadions vor gut einem Jahr bezahlt gemacht?

Es war ganz wichtig, dass wir uns, was die Hospitality, den VIP-Klub und den Longin-Klub betrifft, weiterentwickelt haben, weil es nicht absehbar ist, wann das Stadion umgebaut wird. Wie es früher schon der Plan war, gibt es aus dem Jahr 2017 einen Gemeinderatsbeschluss, dass der VIP-Klub deutlich vergrößert wird und daraus ein Sporttagungszentrum entstehen soll. Wir haben jetzt eine Gesamtkapazität von mehr als tausend VIP-Gästen pro Spieltag.

Mit den Einnahmen steigen sicher auch die Bedürfnisse? Es gibt plötzlich sicher viele, die ab und an den Millionen mitnaschen wollen, oder?

Natürlich hat sich die Situation verändert, was Spielertransfers betrifft, wenn Sturm Graz anruft. Da sind die Preise deutlich gestiegen, weil die internationalen Vereine auch gesehen haben, dass wir in der Champions League gespielt haben und in den letzten Jahren auch immer an einer internationalen Ligaphase teilgenommen haben. Da müssen wir ganz genau darauf achten, eine gute wirtschaftliche Balance halten zu können.

Der Bau des Trainingszentrums Puntigam ist ohnehin ein Jahrhundertprojekt. Gibt es im Jahr 2026 dennoch weitere Ausbaupläne?

Der große Fokus liegt auf dem Trainingszentrum Puntigam. Wir haben mit dem Umbau der Küche und des Dreier-Platzes in Messendorf plus Postsportplatz schon massiv in die Infrastruktur investiert. Außer kleinen Adaptierungen wird es 2026 keine größeren baulichen Maßnahmen geben.

Zwei Männer mit einer Trophäe.
Langdienendes Erfolgsduo: Geschäftsführer Wirtschaft Thomas Tebbich (rechts), seit knapp zehn Jahren im Amt und Präsident Christian Jauk, der seinem Klub seit 2012 vorsteht. © Sebastian Atzler

Die scheinbar unendliche Stadionfrage hat zuletzt neue Facetten dazubekommen. Wird es jemals eine für alle Parteien zufriedenstellende Lösung geben?
Ich glaube, wir sind im Moment so weit wie noch nie. Die Politik hat gesehen, dass die zweitgrößte Stadt Österreichs eine multifunktionale Arena braucht. Ich hoffe, dass es im Frühjahr zeitnah eine Entscheidung geben wird. Ganz wichtig ist, dass die Ausschankrechte, das Naming-Right und viele weitere Betriebskomponenten bei Sturm Graz liegen werden.

Auch im Social Media-Bereich konnte Sturm weiter zulegen, etwa bei den Followern, das sind derzeit immerhin stolze 515.000? Welchen Wert haben solche Zahlen?

Auch im Bereich Social Media sind wir in den vergangenen drei Jahren österreichischer Meister geworden. Wir können stolz darauf sein, was uns da gelungen ist. Vor allem auch, weil wir einen Verein wie Red Bull Salzburg hinter uns gelassen haben. Es ist auch eine der größten Abteilungen in unserem Haus, auf die wir großen Wert legen. Selbst im internationalen Vergleich sind wir in diesem Bereich sehr gut aufgestellt. Die ganzen Sujets und unsere Videoproduktionen sind auf sehr hohem Niveau. Die guten Reichweiten sind am Ende des Tages wichtig, weil wir einen guten Werbewert erzielen und so gute Einnahmen im Sponsoring lukrieren können.

Bei Sturm hat man die unglaubliche Steigerung auf 92 Millionen Euro Gesamtumsatz im Spieljahr 2024/25 als einmaligen Ausreißer bezeichnet. In welcher Höhe sollte sich der Umsatz in einem „normalen“ Spieljahr einpendeln?

Die 92 Millionen Euro waren natürlich, wie erwähnt, ein historischer Ausreißer nach oben. Ich glaube, dass wir uns mit der derzeitigen Stadionsituation und ohne zusätzliche Transfereinnahmen und internationalen Teilnahmen bei einem Umsatz von rund 30 Millionen Euro bewegen werden.

Abschließend: Ohne zuverlässige Crew wären solche Sphären wohl kaum erreichbar?

Ich möchte mich bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für den unglaublichen Einsatz bedanken und natürlich auch bei der gesamten Sturm Familie für den tollen Zusammenhalt in der vergangenen Saison, vielen Dank dafür!

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