Am 27. Februar feiert die unvergessene Stürmerlegende Robert Kaiser den 80er. Kaiser war in der Ära Gerd Springer gemeinsam mit Grloci, Peintinger, Murlasits, Berek und Co eine Klub-Ikone.
48 Volltreffer in 184 Spielen
Nach Helmut Senekowitsch, Günter Paulitsch und Heinz Ruß war er der vierte Sturm-Nationalspieler, wurde 1969 von Leopold Stastny ins Team berufen. Bei der Konkurrenz – Köglberger, Kreuz, Redl, Starek, Parits, Pirkner und Co – eine tolle Leistung.
Trotz mehrerer Verletzungen, die damals nicht so professionell therapiert wurden, bestritt der klassische Mittelstürmer von 1967 bis 1975 184 Pflichtspiele für Sturm und erzielte 48 wichtige Tore, darunter zwei im Messestädtecup gegen Ilves Kissat. Ein reguläres Tor gegen Arsenal London in Liebenau wurde zu Unrecht aberkannt, es wäre das 2:0 nach dem Traumtor von Heinz Zamut gewesen.
Kaiser startete seine Karriere beim WSV Donawitz, gemeinsam mit den damaligen Rohdiamanten Gerd und Walter Peintinger, Ernst Hölzl, Zahn und Co. 1965 war Sturm mit viel Pech aus der Staatsliga abgestiegen und traf in der Regionalliga Mitte auf die nahezu unbezwingbare Werkself. Sturm gegen Donawitz hieß damals das Spitzenduell, in Graz führte Sturm am 23. Oktober 1965 gegen die Grünweißen, die mit einem 8:2 über SVS Linz angereist kamen, durch Tore von Heli Wagner, Fredl Murlasits und Fredl Horvath vor 9.000 in der Gruabn mit 3:0, ehe Walter Peintinger und Hölzl auf 3:2 stellten. In Donawitz ging`s an 15. Mai 1966 mit 2.000 Grazer Fans im Rücken um die berühmte Wurst, Kaiser erzielte das 1:0, Marijan Berek glich für Sturm aus und sicherte den sofortigen Wiederaufstieg.
Doch Kaiser, Peintinger und Co standen im Rampenlicht. Rapids Betreuerduo Robert Dienst und Bimbo Binder spitzten auf Kaiser, ebenso GAK-Boss Franz Allitsch.
Sturm-Sieg im Transfer-Derby
Im Sommer 1967 gewann das Sturm-Verhandlungsteam mit dem jungen Hans Gert das Rennen um die steirischen Juwele vor dem GAK. Robert Kaiser, Walter Peintinger (beide Donawitz) sowie Helmut Huberts und Toni Celestina (Rosental) landeten am Jakominigürtel. Eine Sensation, denn die Jahre zuvor hatte stets der GAK die steirischen Perlen gefischt.
Nach Anlaufschwierigkeiten unter Trainer Karl Kowanz übernahm Ende Oktober 1967 der Kärntner „Helenio Herrera“ Gerd Springer das Kommando. Für Kaiser, Peintinger, Huberts und den SK Sturm begann die bis dahin größte Ära der Klubgeschichte.
In einem starken Frühjahr 1968, wo Sturm von Rang 13 auf Rang sieben vorstieß und zehn von 14 Runden ungeschlagen blieb, überzeugte Schwarzweiß mit dem Team Mikscha (Dr. Paulitsch); Berek, Ruß, Swoboda (Manfred Reiter); Fuchs, Wagner (Franz Reiter); Tesourinha, Peintinger, Kaiser, Huberts, Reisinger. Kaiser scorte gegen Austria Wien in Meidling und in Graz, gegen Salzburg gleich zweimal, ebenso zweimal gegen Austria Klagenfurt und gegen Radenthein. Walter Peintinger zeigte mit seinen berühmten „Bananenfreistößen“ auf.
1968/69 startete die Springer-Truppe – verstärkt mit Damir Grloci aus Marburg im Tor, mit Willi Huberts aus Rosental und Gerd Springer junior - einen Erfolgslauf, der Sturm bis zur 10. Runde ganz an die Tabellenspitze führten sollte. Für Schwarzweiß, das seit mehr als zehn Jahren nur ein „Paternoster-Dasein“ gefristet hatte, absolutes Neuland. Erstmals spielte man auch international – im Mitropacup gegen Vasas Budapest, wobei Sturm in Ungarn ein sehr gutes 3:4 erreichte. Kaiser – 44. und 60. Minute per Kopf- sowie Peintinger ließen die Aufstiegschance leben. Die platzte dann am Faschingdienstag 1969 in der Gruabn auf tiefem Schneeboden mit einem 1:2.
Teamehren für Robert Kaiser
Mit Heinz Schilcher, der sensationell vom GAK losgeeist wurde, und mit Ernst Hölzl von Donawitz sowie mit dem allerersten Sponsor Durisol krallte sich Sturm 1969/70 im Spitzenfeld der Nationalliga fest. Einer der Höhepunkte: das 6:3 über Meister Austria mit Coach Ernst Ocwirk am 30. August 1969 in der Gruabn. Robert Kaiser machte das 2:1 nach Zamut-Pass, das 5:2 mit einem Solo auf das Südtor und das 6:2 per Kopf. Das Duell Kaiser gegen Austria-Stopper Waschi Frank entschied Robert klar für sich. Sturm spielte mit Grloci; Franz Reiter, Berek, Willi Huberts; Fuchs, Schilcher; Hölzl, Murlasits, Kaiser, Wagner, Zamut (Reisinger).
Teamchef Leopold Stastny konnte den Mittelstürmer nicht mehr übersehen und berief ihn ins Nationalteam. Am 5. November 1969 schlug Österreich Schottland in der WM-Quali mit 2:0. Die Auswahl: Harreither; Wallner, Sturmberger, Schmidradner, Fak; Geyer, NorbertHof; Parits, Ettmayr, Kaiser, Redl.
Im Mai 1970 verlor Sturm Gerd Springer an Rapid, der US-Ungar Janos Szep war sein Nachfolger. Für Kaiser wurden die Messestädte-Spiele (Vorläufer des UEFA-Pokals) zum Highlight. In der ersten Runde tat sich Sturm in Tampere (Finnland) gegen Ilves Kissat schwer, lag mit 1:4 zurück, ehe Kaiser in Minute 54 das wichtige 2:4 erzielte. In Graz feierte Sturm am 30. September 70 ein 3:0 über die Finnen, Murlasits, Albrecht und Kaiser waren die Schützen.
Und dann der Karriere-Höhepunkt gegen Arsenal London. Heinz Zamut schoss in Minute 50 das umjubelte 1:0, vier Minuten später traf Robert Kaiser zum 2:0. Es wurde vom tschechischen Referee Smejkal – wie sich via ORF herausstellte – zu Unrecht aberkannt.
Unter dem Deutschen Adolf Remy war Kaiser im Frühjahr 1972 durch eine Verletzung außer Gefecht und wurde von Gert und Remy im Sommer 1972 zwecks Regeneration für ein Jahr nach Kapfenberg verliehen. Im Sommer 1973 war er unter Trainer Karl Schlechta wieder zur Stelle, gerade recht zum großen Erfolgslauf im Herbst 1973, der Sturm bis zur zehnten Runde auf Rang eins spülte.
Unvergessene Goldtore
Unvergessen seine Goldtore 1973 gegen die damals sensationell starken Klagenfurter und gegen das Hochofen-Ballett Donawitz. Sturm damals mit Benko; Wirth, Ruß, Fuchs, H. Huberts; Rosner, Seneca, Steiner; Ringert (Schriver), Kaiser, Zamut (Kulmer). Beide Spiele endeten 1:0 für Sturm. Auch im Frühjahr 1974, als es um den Einzug in die neue Zehner-Bundesliga ging, war Kaiser uunter anderem mit zwei Toren gegen den FC Vorarlberg zur Stelle.
Im allerersten Bundesliga-Jahr 1974/75 setzte Karl Schlechta Kaiser als Vorstopper ein, da im Angriff die Jugend – Kulmer, Stendal, Jurtin, Zamut – Vorrang hatte. Auf dieser Position spielte Robert auch erfolgreich im UEFA-Pokal gegen Royal Antwerpen (2:1, 0:1).
Verletzungsbedingt zog sich Kaiser, der beruflich bei der Pensionsversicherungsanstalt der Selbstständigen tätig war, 1975 mit knapp 30 aus dem Profifußball zurück, spielte noch bei der Grazer SV im Unterhaus. Er kehrte jedoch bald als Trainer zu Sturm zurück, wo er lange Jahre den Nachwuchs betreute, Unter-21-Trainer und Ko-Trainer war. 2008 war es für Kaiser, für den Sturm bis heute eine Herzensangelegenheit ist, eine besondere Freude, am Cover des Buches „Wir sind Sturm, 100 Jahre Schwarzweiß“ in einer für ihn so typischen Aktion aufzuscheinen. 2017 wurde er ins neu geschaffene Legendenteam aufgenommen.
Die Sturmfamilie wünscht ihrem Robert zum 80er alles Gute und viel Gesundheit.