Zwei Männer in weißen Shirts stehen in einem Stadion und umarmen sich
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Sturmarzt Michael Fiedler für den ÖFB bei der WM

Sturm-Teamarzt Michael Fiedler ist aktuell mit dem österreichischen Nationalteam bei der Weltmeisterschaft in den USA im Einsatz. Im Interview spricht der Grazer Arzt über besondere WM-Momente, medizinische Verantwortung und seine Verbindung zum SK Sturm.

Fiedi, du bist aktuell mit dem ÖFB-Nationalteam bei der Weltmeisterschaft in den USA im Einsatz – wie besonders ist diese Erfahrung für dich persönlich?

Es ist eine riesige Erfahrung. Man merkt einfach, dass eine Weltmeisterschaft das größte Turnier ist – das ist noch einmal eine andere Dimension als zum Beispiel eine Europameisterschaft. Allein das erste Spiel gegen Jordanien vor rund 70.000 Zuschauer:innen war ein Moment, den man sein Leben lang nicht vergessen wird. Auch das Spiel gegen Argentinien in dieser besonderen Atmosphäre, wieder vor einer riesigen Kulisse, war unglaublich. Natürlich waren der 3:3-Ausgleichstreffer und der damit verbundene Aufstieg unfassbar emotional – ein Moment, den man nie mehr vergessen wird. Das sind Erlebnisse, bei denen man Gänsehaut bekommt. Insgesamt empfinde ich eine riesengroße Dankbarkeit, dass ich bei solchen Meilensteinen des österreichischen Fußballs dabei sein darf.

Wenn man als Fan an eine Weltmeisterschaft denkt, denkt man zuerst an Spiele, Tore und Emotionen – woran denkst du als Teamarzt zuerst?

Als Teamarzt und Leiter der medizinischen Abteilung denke ich zuerst an die bestmögliche Spielerverfügbarkeit. Das Wichtigste ist, dem Trainer für jedes Training und jedes Spiel so viele Spieler wie möglich in bestmöglichem Zustand zur Verfügung stellen zu können. Meine ersten Gedanken gehen also immer in diese Richtung: Welche Möglichkeiten und Optionen haben wir, um die Spieler optimal vorzubereiten, zu betreuen und belastbar zu halten?

Die WM in den USA bringt besondere Rahmenbedingungen mit sich: lange Reisen, Zeitumstellung, Hitze und hohe Belastungen. Wie bereitet man eine Mannschaft medizinisch auf so ein Turnier vor?

Das war schon im Vorfeld ein enormer logistischer Aufwand und eine große Planungsaufgabe – gemeinsam mit Athletiktrainern, Ernährungsexperten, Trainerteam und Management. Wir haben uns intensiv darauf vorbereitet, wie wir mit Themen wie Hitze, Reisestrapazen und Belastungssteuerung umgehen. Für Spiele bei hohen Temperaturen haben wir eigene Hitzeprotokolle entwickelt, die dann auch umgesetzt werden. Gleichzeitig war schon die Entscheidung, das Basecamp in Kalifornien aufzuschlagen, wo die Temperaturen deutlich angenehmer sind, ein großer Vorteil. Da muss man sagen, dass die Vorarbeit aller Abteilungen – inklusive Besichtigungen und genauer Planung – extrem wichtig war. Solche Details können bei einem Turnier einen großen Unterschied machen.

Am Ende trägst du als Teamarzt auch große Verantwortung: Wie schwierig ist es manchmal, zwischen dem Wunsch eines Spielers zu spielen und der medizinischen Vernunft abzuwägen?

Man sieht an Verletzungssituationen wie jener von Stefan Posch, dass Sportmedizin anders zu betrachten ist als die klassische Medizin außerhalb des Leistungssports. Man bewegt sich dabei teilweise in einem Graubereich. Letztlich ist es meine Aufgabe, einzuschätzen, ob das Risiko für einen Spieler mit einer Verletzung groß oder vertretbar ist. Diese Entscheidung trifft man natürlich nicht allein im luftleeren Raum, sondern in enger Abstimmung mit dem Spieler und dem gesamten Team. Am Ende muss man als Mediziner aber klar beurteilen, ob ein Risiko verantwortbar ist oder nicht. Wenn ein Spieler bereit ist, alles zu investieren, sieht man im Spitzensport oft, was möglich ist – trotzdem steht die Gesundheit immer im Mittelpunkt.

Du arbeitest im Nationalteam und bei Sturm mit vielen Daten, medizinischen Checks und täglichem Feedback der Spieler. Wie sehr hat sich die Sportmedizin im Fußball in den vergangenen Jahren verändert?

Wie in vielen Bereichen hat sich auch in der Sportmedizin enorm viel weiterentwickelt. Heute arbeiten wir mit verschiedensten Tools – von Herzratenvariabilität über CK-Werte bis hin zu täglichen Feedback-Fragebögen der Spieler, etwa zu Schlaf, Belastung und Wohlbefinden. All diese Informationen werden zusammengeführt und helfen dabei, ein möglichst genaues Bild vom Zustand der Spieler zu bekommen. Auch Ernährung und Supplementierung sind in den vergangenen Jahren riesige Themen geworden. In Zukunft wird sicher auch Künstliche Intelligenz eine größere Rolle spielen, um große Datenmengen noch schneller zu verknüpfen, mit wissenschaftlichen Erkenntnissen abzugleichen und medizinischen Teams in Echtzeit hilfreiches Feedback zu liefern.

Wie stolz macht es dich, als Grazer Arzt und langjähriger Sturm-Teamarzt bei einer Weltmeisterschaft Teil des österreichischen Nationalteams zu sein?

Es macht mich sehr stolz. Ich habe schon als kleiner Bub davon geträumt, einmal Teil des Nationalteams zu sein. Dass es jetzt über den Weg als Teamarzt so gekommen ist, passt irgendwie auch zu Amerika – ein bisschen wie eine besondere Geschichte. Natürlich gehört immer auch Glück dazu, im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein. Aber es braucht auch harte Arbeit, Konsequenz und den Willen, seinen Weg konstant weiterzugehen. Was gibt es Schöneres, als Teil dieses großen Teams zu sein und bei einem der wichtigsten Turniere der Welt vor Ort dabei sein zu dürfen? Nicht nur im Stadion, sondern auch rundherum alles mitzuerleben, ist etwas ganz Besonderes. Ich bin sehr glücklich darüber.

Zum Abschluss: Was wünschst du dir persönlich für das ÖFB-Team bei dieser WM – und was wünschst du dir für die kommende Saison mit dem SK Sturm?

Der Wunsch, dass wir die Gruppenphase überstehen, ist schon einmal war geworden. Wenn wir dann auch das Sechzehntelfinale überstehen, traue ich dieser Mannschaft sehr viel zu. Ob es ganz bis zum Ende geht, kann man natürlich schwer sagen. Aber im Fußball ist vieles möglich, wenn man in einen Flow kommt. Für den SK Sturm wünsche ich mir, dass wir, so wie in den vergangenen Jahren, um alle Titel mitspielen. Wir wollen uns konsequent in diesem Bereich halten und auch in den kommenden Jahren das Ziel verfolgen, regelmäßig europäisch zu spielen. Das sollte unser Anspruch sein.

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