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Ludwig Krentl im 72. Lebensjahr verstorben

Die langjährige Stimme Sturms ist verstummt.

Dem Anhängerklub des SK Sturm stand Lucky von 2003 bis 2021 vor. © GEPA pictures

22 Jahre lang die Stimme Sturms

Die Nachricht erschüttert die Sturmfamilie. Am 29. Jänner 2024 hörte das Herz der Sturm- und 99ers-Legende Ludwig „Lucky“ Krentl auf zu schlagen. Der unvergessliche Stadionsprecher der Meister- und Champions-League-Jahre verstarb nach kurzer, schwerer Krankheit.

22 Jahre lang – von 1996 bis 2018 – motivierte und informierte Krentl, der von 2003 bis 2021 als Nachfolger des im Vorjahr verstorbenen Hugo Seidl Präsident des seit 1954 bestehenden Sturm-Anhängerklubs war, die Besucher der Sturmspiele.

Am 31. Juli 1996 hieß der Gegner Salzburg, Austria Salzburg. Lucky Krentl saß damals noch in der engen Sprecherkabine des Klubhauses in der Gruabn. Es war ein dramatisches Spiel, das allerdings ohne Krentl-Torjubel mit 0:0 endete. Sturm spielte damals unter Trainer Osim mit Goriupp; Lydersen; Neukirchner, Posch; Hiden, Grassler (Swiercewski), Mählich, Giuseppe Giannini, Prilasnig; Pürk, Vastic.

„Ich war damals bereits Sprecher beim Eishockey, als mich Sturm gefragt hat, ob ich das nicht auch in der Gruabn machen möchte, damit ist ein Bubentraum in Erfüllung gegangen. 30 Jahre bin ich damals schon Sturmfan gewesen, bin immer in der Gruabn gestanden und war fasziniert, auch vom Schrey, der eine Legende war“, erinnerte sich Krentl gerne.

Lucky in seinem Element, das Stadion war sein Wohnzimmer. © GEPA pictures

Sturmfan von Kindesbeinen an

Der am 11. September 1952 geborene Grazer – gelernter Buchhändler – war seit Kindheit Sturmfan aber auch begeisterter Eishockey-Freak. Und so begann er 1983 – vor 40 Jahren – als Sprecher beim damaligen Eishockey-Klub ATSE Graz in der zweiten Liga. Gemeinsam mit Herbert Orthacker, der seit Anbeginn der Schwarzenegger-, UPC- und nunmehrigen Merkur-Arena die Videowall bei Sturmspielen betreut, war er ab 1989 beim Eishockey-Hype unter Präsident Schöffel, dann beim EC-Ottakringer unter Hannes Kartnig Sprecher – und er betreute nach wie vor bis zum Jänner 2024 die Spiele der Grazer 99ers. Dazu war er bis zuletzt Platzsprecher bei seinem Heimatklub Weiz.

Ende 1995 hörte Günther Schrey – damals schon 76 – nach 38(!) Jahren am Sturm-Mikrofon auf. Nach einem Intermezzo von einem halben Jahr war Krentl sein würdiger Nachfolger als „Stimme Sturms“. Er kam gerade recht zum Abschied aus der Gruabn, zur Eröffnung der Liebenau-Arena und zur großen Osim-Ära mit den Meistertiteln und Champions-League-Spielen. Highlights von denen der legendäre Günther Schrey in den fast vierzig Jahren zuvor nur träumen konnte. Diese Erfolge setzten sich 2010 mit dem Cupsieg und 2011 mit dem Meistertitel sowie mit Euro-League-Teilnahmen. 2018 übergab er das Mikro an den heutigen Sprecher Thomas Seidl.

Exakt 501 Pflichtspiele in Diensten des SK Sturm – Stimme Ludwig Krentl. © GEPA pictures

Eine beeindruckende Statistik

Krentl erinnerte sich immer gerne und war auch bis letzten Dezember treuer Besucher der Sturm-Heimspiele gemeinsam mit seiner Gattin, die ihm immer mit viel Liebe und Engagement zur Seite stand: „Im Juli 1997 war die Eröffnung des neuen Stadions in Liebenau. Da war alles anders, alles neu. Nur leider das Eröffnungsspiel hab´ ich nicht ansagen dürfen, weil der GAK ja Veranstalter war. Wenn du Manchester United, Valencia, Marseille und wie sie alle heißen zu Gast hast, das ist schon besonders. Für die Újpest Budapest Fans habe ich sogar ein paar ungarische Begrüßungsworte gelernt. Die Genfer (Anmerkung: Servette Genf) habe ich auf Französisch begrüßt. Anspruchsvoll waren Matches gegen Mannschaften mit schwierigen Namen. Da waren die griechischen oder auch die türkischen Teams immer eine Herausforderung. Das war schwer für mich. Glücklicherweise gab´s die Dolmetscher, die mir halfen. Entsetzlich war das Spiel gegen den AC Parma, niemand konnte es glauben, als der Schiri schlussendlich auf den Mittelkreis zeigt und das Tor gibt, das allen Sturm-Fans noch als das „Schicklgruber-Tor“ in zweifelhafter Erinnerung ist. Und ich musste dann das Tor ansagen. Aber so ist der Job auch manchmal. Generell bin ich bei den Gegentoren immer um ein paar Oktaven runter gegangen und hab´ die Worte eher gequält runtergespult. Es war eine wunderschöne Zeit und ich bin froh, dass ich sie erleben durfte. Beim letzten Spiel gegen Rapid ist mir das noch mal richtig bewusst geworden. Da waren die Emotionen schon sehr hoch. Es war wirklich schön.“

Die Statistik der Krentl-Jahre 1996 – 2018:

Meisterschaft: 430 Spiele mit drei Meistertiteln 1998, 1999 und 2011
ÖFB Pokal: 25 Spiele (davon vier Finalspiele, 4 Cupsiege – im Praterstadion 1996, 1997, 1999 und in Klagenfurt 2010)
Europacup-Spiele: 46

Insgesamt:

  • 501 Pflichtspiele von Sturm, dazu Freundschaftsspiele und ÖFB-Länderspiele in Graz.
  • Damit erreichte Ludwig Krentl nahezu den unvergleichlichen Rekord der Sprecherlegende Günther Schrey, der es von 1957 bis Dezember 1995 auf 606 Pflichtspiele, 23 Pokalspiele und 17 Europapokalspiele brachte.
  • Mit Günther Schrey (1957 bis 1995) und Ludwig Krentl (1996 bis 2017) weist Sturm eine Sprecherkontinuität wie kein anderer Bundesligaklub auf.
Zum Abschied gab es für Lucky das „Goldene Sturm-Mikro“ aus den Händen von Präsident Christian Jauk. © GEPA pictures

Goldenes Sturm-Mikrofon zum Abschied

Präsident Christian Jauk tief betroffen zum so frühen Tod von Lucky: „Lucky war nach all den Jahren eine absolute Stadionsprecher-Legende in Österreich. Ich war ihm immer emotional eng verbunden. Er war einer der wenigen in Österreich, der drei Meistertitel und 46 Europa Cup-Spiele moderieren durfte. In seiner Stimme hat man immer seine Leidenschaft für den SK Sturm gehört und sie wird stets an die großen Erfolge des SK Sturm erinnern. Als Präsident des Anhängerklubs, den er von 2003 bis 2021 leitete, war er für 15 Sturm-Bälle und für alljährliche Geldspenden für die Sturm-Nachwuchsarbeit mitverantwortlich. Dafür bin ich ihm besonders dankbar. Bei seinem Abschied als Sprecher haben wir ihm als Zeichen der Wertschätzung das Goldene Sturm-Mikrofon überreicht. Unser aller Mitgefühl gilt seiner Sylvia, die ihn immer begleitete und stärkte. Der SK Sturm wird Lucky stets ein würdiges Andenken bewahren.“

Die Sturmfamilie dankt Lucky Krentl für die stets so stimmungsvolle und markante Begleitung der Sturm-Heimspiele, anfangs in der Gruabn, ab 1997 in Liebenau und – wie bei den Pokalfinalspielen – in Klagenfurt und im Happel-Stadion. Krentl wird wie Günther Schrey ein wesentlicher Teil der Sturm-Geschichte bleiben. Und er wird bei allen Sturmfans für immer in der Erinnerung verankert sein. Lebe Wohl, Lucky und viel Kraft, Sylvia.

Lucky und seine Sylvia waren bei den Sturm-Heimspielen stets live dabei. Dieses Bild wurde aufgenommen am 10. Dezember des Vorjahres, beim letztes Heimspiel des Jahres, der SK Sturm spielte gegen Altach. © GEPA pictures/Hans Oberländer

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