Fußballer einst in der Gruabn.
Klubnews

Heinerl „Tautscher“ Tavcar plötzlich verstorben

Völlig unerwartet ist am 22. Jänner eine steirische Fußball-Ikone, ein Sturm-Liebling der Jahre 1958 bis 1962, im 88. Lebensjahr verstorben. Heinrich Tavcar, in den Medien damals Heinerl Tautscher geschrieben.

Die Sturm-Familie verneigt sich

Unser Mitgefühl gilt seiner Frau Rosemarie, seinen beiden Kindern Romy und Henry sowie seinen vier Enkerln. Bis zuletzt war Heinerl fit und immer zu Bergtouren aufgelegt.

Geboren wurde Heinerl Tavcar am 6. September 1938, vier Jahre lang war er als legendärer Mittelstürmer mit 59 Meisterschaftstoren (!) der Topschütze bei Sturm. Der Fünfer-Sturm Klug, Hauser (Kaltenegger), Tautscher, Mühlbauer (Finding), Reisinger – später auch mit Engelbert und Heli Wagner – war damals eine Marke. Trotzdem schaffte Sturm nicht und nicht den Wiederaufstieg in die Staatsliga.

Mit ein Grund: Heinerl Tavcar war und blieb Bergknappe im Karlschacht in Rosental, fuhr dreimal die Woche zum Training in die Gruabn und war durch die schwere Arbeit doch sehr belastet. Doch sein Torriecher und sein Humor machten ihn zu einem herausragenden Teil der Mannschaft.

Fußballer im Kampf um den Ball in Graz 1958.
Heinerl Tavcar 1958 auf der Grazer Sportklubplatz, rechts Mühlbauer. © Sammlung Sturm Graz/ Fischer

Vom Bergwerk auf den Fußballplatz

1938 im weststeirischen Braunkohlerevier geboren, kannte der junge Heinerl nur zwei Dinge: die Arbeit im Bergwerk und den Fußball. Beim WSV Rosental war er unter den Fittichen des legendären Sturm-Verteidigers und Trainers Bino Skasa bald so überragend, dass er 1956/57 18-jährig in das rotweißrote UEFA-Juniorenteam berufen wurde. 1957 stieg in Spanien das UEFA-Turnier. Zwei Tavcar-Tore beim 3:0 gegen Griechenland, drei Tore beim 5:1 gegen Holland, 3:0 gegen England (wieder zwei Tavcar-Tore), 3:2 gegen Frankreich(zwei Tavcar-Tore) und schließlich das Finale gegen Spanien.

Am 23. April 1957 besiegte Heinerl mit diesem Team die Iberer in Madrid vor 95.000 Besuchern mit einem unglaublichen 3:2. Viele seiner damaligen Teamkollegen machten Karriere: Tormann Kraushofer und Lahner bei Vienna, Glechner und Skocik bei Rapid, Horstl Nemec bei der Austria, Osicka bei Rapid und Kapfenberg, Schilling und Nikischer bei der Admira.

Es war eine Sensation, als Sturm-Präsident Dr. Wilhelm Schlösser und Sektionsleiter Karl Pamich im Sommer 1958 nach dem Abstieg aus der Staatsliga A Heinerl Tautscher von Rosental nach Graz lotsen konnten. Er hatte auch Angebote von Rapid und vom GAK, entschied sich aber für Sturm. „Sturm war eigentlich immer schon mein Verein“, erinnerte sich Heinerl.

Tautscher, der bullige Mittelstürmer, hatte von Anfang an seinen Platz in der Kampfmannschaft und erzielte auch im allerersten Spiel in Graz gegen den FC Wien beide Tore zum 2:1-Sieg. Die damalige Truppe im August 1958: Mikscha; Neudeck, Neuhold, Jarc; Höfler, Alfred Pichler; Hauser, Kaltenegger, Tautscher, Mühlbauer, Klug. Sturm spielte damals die Heimspiele in Liebenau beziehungsweise am Grazer Sportklub-Platz, da die „Gruabn“ wegen einer neuen Rasendecke für zehn Monate „gesperrt“ war.

Unvergessen für viele ältere Sturmfans das Spiel im Herbst 1959 gegen Fohnsdorf. Sturm siegte am Sturmplatz mit 7:1, Heinerl erzielte sechs (!) Tore – in der 23., 45., 47., 61., 85. und 89. Minute. Tor Nummer sieben schoss Helmut Hauser.

Ein weiteres Highlight am 26. März 1961: Heimspiel gegen den Welser Sportklub. Sturm führt gegen die an sich starken Oberösterreicher bereits mit 5:0 durch Tore von Hauser (2), Heli Wagner (2) und Klug. In der 78. Minute überspielt Tautscher den Tormann, legt sich auf den Bauch und rollt den Ball zum Gaudium der Sturmfans mit dem Kopf über die Linie.

Der beste Trainer war für Heinerl der Ungar Janos Szep. „Mit ihm hätten wir sicher den Aufstieg geschafft, doch er folgte im Jänner 1961 seiner Familie in die USA“, erzählte Tavcar.

Die Mannschaft des SK Sturm Graz 1959 in der Gruabn.
Das Mannschaftsbild, SK Sturm 1959, stehend von links in der Gruabn: Mühlbauer, Nemetz, Tavcar, Schuh, Höfler, Gahr, Hauser, Klug. Hockend: Finding, Jarc, Mikscha, Neuhold, Paulitsch, Reiter, Reisinger. © Sammlung Sturm Graz/ Fischer

Tavcar erzielte mehr als 1.000 Tore

Leider fielen die vier Tautscher-Jahre bei Sturm in eine für Schwarzweiß schwierige Zeit, die Finanzlage beim Klub kippte arg. Die Klubführung bat die Fans sogar um Spenden von Koffern, da sich die klubeigenen schon in ihre Bestandteile auflösten.“

Sturm schaffte es nicht, ihm einen ruhigeren Arbeitsplatz in Graz zu vermitteln. Außerdem kämpfte der Klub vier Jahre hindurch vergeblich um den Wiederaufstieg in die Staatsliga.

So kam es, dass Heinerl 1962 – erst 24-jährig – wieder nach Rosental zu seinem Stammklub heimkehrte. Seine Bilanz: 66 Pflichtspieltreffer (Meisterschaft und Pokal) in 77 Einsätzen (damals hatte die Liga nur 26, einmal sogar nur 20 Runden). In seiner Heimat blieb er noch zehn Jahre lang eine Ikone und führte die Rosentaler von 1964 bis 1970 als Spielertrainer in die zweithöchste Spielklasse, die Regionalliga Mitte. 1966 erreichte er gemeinsam mit dem Legionär Milan Zekovic sogar Rang vier und traf in der Saison 1965/66 in der Liga auf Sturm, erreichte ein 2:2 in der Gruabn. An seiner Seite wuchsen die Brüder Helmut und Willi Huberts sowie Toni Celestina zu steirischen Rohdiamanten, später auch Hans und Peter Huberts. Sie alle wechselten ab 1967 zu Sturm nach Graz. Beim WSV Rosental war er Gesamtnachwuchsleiter, Spielertrainer und Top-Goalgetter. 1981 beendete er 43-jährig mit weit mehr als 1.000 erzielten Toren seine aktive Laufbahn. Bis zu seiner Pensionierung arbeitete er bei der GKB-Bergbau GmbH.

Die weststeirischen Kohle- und Glashütten-Teams Rosental, Bärnbach, Voitsberg und Maria Lankowitz spielten in den 1950er- und 1960er-Jahren eine große Rolle in der Regional- und Landesliga, laufend wuchsen große Talente heran. Gapp, Kaltenegger, Franz Ninaus, Tautscher, Helmut, Willi und Peter Huberts, Celestina, Rudi Lang und Co. bei Sturm, Toni Maier, Herbert und Erwin Ninaus, Willy Huberts, Sepp Stering, Rudi Fleischhacker und Co. beim GAK.

Heinerl Tavcar, der noch unlängst so zuversichtlich von seinen Bergtouren und seiner Familie gesprochen hat, ist nun plötzlich gegangen. So wie schon vor Jahren sein geliebter WSV Rosental. Die Sturm-Familie verneigt sich.

Diesen Beitrag teilen

Themen in diesem Beitrag