Geschichte

1909 – 1934

Die Anfänge im Augarten

Die Geschichte des heute als Sportklub Sturm Graz bekannten, erfolgreichsten steirischen Fußballvereins beginnt im Grazer Augarten. Der öffentliche Park im sechsten Stadtbezirk an der Mur gelegen, ist im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts ein Eldorado für Schüler und Studenten. Ihre Leidenschaft ist der Fußball – ein Modesport, der aus England über Prag ab ca. 1893 den Weg nach Graz findet. Schon vor 1909 sammeln sich um den Schüler Fritz Longin, der einen Lederball besitzt, und um den Studenten Karl Aßmann eine Schar talentierter Jugendlicher, die unter Fantasienamen wie „Assam del Negro“ oder „Longino“ im Augartenpark die erfolgreichste Mannschaft sind. Dies ist ihnen bald nicht mehr genug und so konsolidieren sie sich als richtige Fußballmannschaft am 01. Mai 1909 unter dem Namen „Sturm“ – vermutlich nach Vorbild des Deutschen Ballspielclubs Sturm Prag, der kurz zuvor in Graz gastiert. Schon kurz nach der Gründung ist die heute noch markante Sturmfahne mit dem in sich geschwungenen „St“ der Wegbegleiter des jungen Vereins. Die Klubfarben sind schwarz und weiß.

Sturm auf der Trabrennbahn

Zwei weitere Jahre ziehen ins Land bis der Klub-Philosoph Arnold Schmidt aufgrund der Bildung des Deutsch-Alpenländischen Fußballverbandes (aus dem später der Steirische Fußballverband hervorgeht) die statutengerechte Vereinsgründung vorantreibt und am 31. März 1912 aus der „Grazer Fußballmannschaft Sturm“ der „Grazer Fußballklub Sturm“ wird. Anfang 1913 schreibt der DAFV die erste Meisterschaft der 2. Klasse aus, die Sturm gewinnt. Die Spiele werden nun nicht mehr im Augarten, sondern als „Untermieter“ am GSV-Platz innerhalb der Trabrennbahn ausgetragen, einer Anlage, die sich hinter der heutigen Stadthalle befindet. Während des Ersten Weltkrieges ist Sturm einer der wenigen Klubs, der einen eingeschränkten Spielbetrieb aufrechterhalten kann. Nach Kriegsende, im November 1918, ruft Gründungsobmann Karl Aßmann im Sturm-Café Berghaus an der Radetzkybrücke den Neustart aus.

Die Gruabn als erste echte Heimat

Bereits im März 1919 hat ein Jahrzehnt Nomadentum endlich ein Ende, als eine Wiese an der Ecke zwischen Jakominigürtel und der Klosterwiesgasse gepachtet und zur ersten dauerhaften Heimstätte wird: der „Sturm-Platz“, die spätere „Gruabn“, ist zunächst eine Übergangslösung, die ab 1921 eine langfristige Heimat wird. Auch der Vereinsname sollte sich noch einmal verändern. Nach der Aufnahme mehrerer Sektionen wird Ende 1919 aus dem „Fußballklub Sturm“ der „Grazer Sportklub Sturm“. Bald darauf feiert dieser seinen ersten großen Erfolg. In der ersten offiziellen steirischen Meisterschaft der Saison 1920/1921 behält Sturm die Oberhand.

Der erste überregionale Erfolg stellt sich im Jahr 1934 ein, als der österreichische Amateur-Staatsmeistertitel von Othmar Oroszy, Edi Dellinger, Franz Krusic und Co. errungen wird. Im selben Jahr wird zur 25-Jahr-Feier unter Obmann Franz Reistenhofer auch der ausgebaute Sturm-Platz mit der (heute noch existierenden) Holztribüne eröffnet, die unter anderem von den Grazer Geschäftsmännern Franz Öhler und den Gebrüdern Reininghaus gesponsert wird.

1934 – 1949

Sturm in der NS-Zeit

Durch die jüngsten Erfolge drängt Sturm als „Provinzverein“ nun immer mehr auf eine Öffnung der Wiener Profiliga hin zu einer österreichweiten „Staatsliga“. 1936/37 scheitert Sturm in der Qualifikation zu einer „erweiterten“ Wiener Liga gegen den 1. Simmeringer SC und SC Helfort knapp. Als Trostpflaster spielt man seit 1935 erstmals mit Teams aus der Hauptstadt um den österreichischen Pokal.

Nach dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland im März 1938 wird auch Sturm gleichgeschaltet. Der Verein arrangiert sich während der NS-Zeit mit den Machthabern, ein parteitreuer „Vereinsführer“ leitet ihn, die Jugend muss verpflichtend als HJ-Mannschaft (Hitler-Jugend) geführt werden. Doch in der zweiten Ebene ist Sturm – wie jüngste Forschungen beweisen – weiterhin unpolitisch und nicht belastet. Sportlich hätte man nun zumindest die Chance in der „Gauliga“ auf Augenhöhe mit den Wiener Vereinen zu spielen, doch im Sommer 1938 hat der Grazer Sportklub die Nase vorne und steigt dorthin auf. Die steirischen Topklubs spielen mit Kärntner Klubs in der Bezirksmeisterschaft Süd. Ab sofort sind die nunmehrigen „Ostmärker“ im Deutschen Tschammerpokal spielberechtigt. 1940 macht Sturm dort von sich reden: Hans Gmeindl, Hans Schabus und Co. schlagen die Wiener Großklubs WAC mit 7:3 und die Admira sensationell mit 9:0. Gegen den 1. FC Nürnberg ist am Sturm-Platz nach einem 1:6 vor über 8.000 Zuschauerinnen und Zuschauern aber Endstation. Zwar schafft Sturm wenig später den Aufstieg und darf von 1941 bis 1943 mit den Wiener Klubs in der „Bereichsklasse“ spielen, jedoch werden sämtliche Stützen zur Wehrmacht eingezogen. Ein sportliches Fiasko ist die Folge.

Vom Wiederaufbau in die Staatsliga

Nach Kriegsende im Mai 1945 hat Sturm dank Josef Plendner, Ernst Oswald und Leopold Krusic, sowie der guten Jugendarbeit während des Krieges rasch wieder eine äußerst starke Mannschaft beisammen, die – verstärkt mit Wiener „Legionären“ – von 1946 bis 1949 je vier Landesmeistertitel und -pokalsiege einfahren kann. Sturm ist seither steirischer Rekordmeister und -cupsieger. Doch es dauert bis zum Jahr 1948, ehe Sturm endgültig im österreichischen Spitzenfußball ankommt. Zuerst durch das Erreichen des ÖFB-Pokalfinals gegen Austria Wien (0:2 vor rund 38.000 im Praterstadion) und im Jahr darauf mit der neuen Staatsliga, in deren allererster Saison 1949/50 Sturm eines der Gründungsmitglieder ist.

1949 – 1966

Sturm in der Staatsliga

In den ersten Staatsligajahren etablieren sich Ludwig Durek, Max Lamot, Hans Gmeindl und Co. im Mittelfeld, ehe man 1953/54 erstmals in die Staatsliga B absteigt. Obwohl Sturm umgehend den Wiederaufstieg erreicht, schlittert man in eine Finanzkrise. Immer stärker wird vor allem die finanziell potentere Konkurrenz aus den größeren Industriestädten, dazu haben die Wiener Profis immer noch eine Vormachtstellung inne. In dieser Zeit wird der spätere Teamchef Helmut Senekowitsch dennoch Sturms erster österreichischer Nationalspieler. Doch just vor dem 50-Jahr-Jubiläum steigen die Schwarz-Weißen abermals ab.

Triste Jahre bis zum Wiederaufstieg

Sechs Jahre lang muss Sturm mit der Staatsliga B bzw. mit der dann umstrukturierten Regionalliga Mitte vorliebnehmen. Jahr für Jahr spielen die Grazer lange um den Meistertitel mit, landen zum Saisonende jedoch nur auf den Plätzen. Erst 1963/64 gelingt Heli Wagner, Kurt Reisinger, Burli Wolf und Co. der ersehnte Aufstieg. Die endgültige Rückkehr in die höchste Spielklasse folgt nach drei Paternoster-Jahren im Sommer 1966. Seither ist Sturm als einziger Verein außerhalb von Wien ohne Unterbrechung in der höchsten Spielklasse vertreten.

1966 – 1974

Erstmals in den Europacup

Im November 1967 übernimmt der Kärntner Gerd Springer das Trainer-Zepter und führt in Graz professionellere Strukturen ein. Von 1968 bis 1970 etabliert sich Sturm erstmals im Spitzenfeld der damaligen Nationalliga, die Mannschaft um Damir Grloci, Robert Kaiser, Walter Peintinger, Fredl Murlasits, Heinz Ruß und Co. sorgt für ein bisher kaum gekanntes Fußballfieber in der Steiermark. Das erste internationale Ausrufezeichen gelingt im Messestädtecup im Herbst 1970, als der englische Spitzenklub Arsenal FC zunächst in Graz mit 1:0 besiegt und im Rückspiel das Ausscheiden erst durch einen strittigen Elfmeter in der Nachspielzeit besiegelt wird. Sturm hat sich nachhaltig in der Nationalliga etabliert, auch wenn in der Folge noch einiges Ungemach zu überstehen ist.

Dramatische Abstiegskämpfe

Die Saison 1972/73 entwickelt sich sportlich zum Krisenjahr, doch dem neuen Wiener Trainer Karl Schlechta gelingt die (vermeintliche) Rettung. Da durch die Maul- und Klauenseuche in Ostösterreich jedoch Spiele von direkten Konkurrenten erst nach offiziellem Meisterschaftsende gegen lustlos wirkende Gegner ausgetragen werden und die Vienna sowie der SC Eisenstadt doch noch an den Grazern vorbeiziehen, legt Sturm Protest ein – mit Erfolg. Dank den Mühen von Trainer Schlechta, Hans Gert, Franz Gady und Karl Pühringer beim ÖFB wird die Liga auf 17 Vereine aufgestockt.

Doch schon im Frühjahr 1974 verfliegt die Euphorie darüber und über den starken Saisonbeginn. Im April (!) wird die neue Zehner-Bundesliga ab der Folgesaison beschlossen und mit ihr eine Fünf-Jahreswertung im Kampf um den Klassenerhalt für die drei steirischen Vertreter. Trotz des fünften Endranges kämpft Sturm bis zur letzten Runde noch um die Teilnahme an der neuen Bundesliga und muss zwischenzeitlich sogar politisch motivierte Fusionsgespinste eines „FC Steiermark“ abwenden. Dennoch gelingt es dem SK Sturm als Gründungsmitglied in die neue Bundesliga einzuziehen.

1974 – 1984

Europacup-Ehren und Vizemeister

Mit dem Schwung der Qualifikation zur neuen Bundesliga im Rücken, gelingt Sturm unter Schlechta das zweite Cupfinale der Vereinsgeschichte (0:3 und 2:0 gegen Meister Wacker Innsbruck). Von nun an spielen die Grazer nur noch im Bundesstadion Liebenau. Mandi Steiner, Hubert Kulmer, Kurt Stendal und Co. stoßen in der Folgesaison 1975/76 sogar bis ins Cup der Cupsieger-Viertelfinale vor, scheitern dort an Eintracht Frankfurt (0:2, 0:1) und eliminieren auf dem Weg dorthin unter anderem Szombathelyi Haladás. Rund 5.000 mitgereiste Sturmfans bejubeln den Achtelfinal-Aufstieg im – noch immer hinter dem Eisernen Vorhang liegenden – Nachbarland Ungarn.

Nach zwei weiteren exzellenten Spielzeiten angeführt von Trainer Dr. Günther Paulitsch kommt die Mannschaft im dritten Jahr unter dem Juristen nicht in die Gänge und wird erst vom Kroaten Otto Barić aus dem Tabellenkeller geholt. Trainer Barić schafft in seiner ersten vollen Saison 1980/81 sogar den kompletten Turnaround an die Tabellenspitze. Mit Gernot Jurtin, Božo Bakota, Zvonko Breber und Co. erreichen die Schwarz-Weißen erstmals einen Herbstmeistertitel und führen bis zur letzten Runde die Liga an. Dann versagen in Graz-Liebenau vor rund 23.000 Zuschauerinnen und Zuschauern jedoch die Nerven. Der Vizemeistertitel ist dennoch der bis dato größte Erfolg der Vereinsgeschichte.

Gruabn-Rückkehr und UEFA-CUP Viertelfinale

Als im Herbst 1982 die Gruabn revitalisiert wird, säumen über 11.000 Besucherinnen und Besucher den Sturm-Platz und sehen ein entfesselndes 4:0 über den SC Eisenstadt. Auch unter Barićs Nachfolger Gernot Fraydl spielt Sturm einige Zeit lang oben mit und eine unvergessliche UEFA-Cup-Saison 1983/84. Nachdem zunächst Sportul Studențesc aus Bukarest eliminiert wird, erreichen die Grazer mit den Aufstiegen gegen Hellas Verona und Lokomotive Leipzig sensationell zum zweiten Mal ein Europacup-Viertelfinale. Dort egalisiert Schwarz-Weiß gegen Nottingham Forest in Graz-Liebenau das 0:1 aus dem Hinspiel und wartet in der Verlängerung nur noch auf das entscheidende Elfmeterschießen, ehe ein strittiger Elfmeter den Engländern das Halbfinale beschert.

1984 – 1994

Auf und Ab trotz Investitionen

1988 erreicht Sturm unter Walter Ludescher Rang drei. Mit Jürgen Werner, Georg Zellhofer und Co. riskiert man teure Transfers, die den Klub sportlich und finanziell aus der Bahn werfen. Dies kann auch die Rückkehr von Otto Barić nicht verhindern. Gleichzeitig drängt Ende der 1980er-Jahre Hannes Kartnig in den Verein, bis er schließlich Ende 1992 am Höhepunkt der sportlichen und finanziellen Krise zum neuen Präsidenten gemacht wird. Zudem rutscht Sturm 1992/93 nach dem Grunddurchgang im letzten Jahr des 1985 eingeführten Play-Off-Systems vor der Rückkehr zur Zehnerliga in das Mittlere Play-Off ab und steht vor dem Abstieg.

Sturm trotzt dem Abgrund

Im Frühjahr 1993 verirren sich nur noch wenige Hundertschaften in die Gruabn. Auch dem neuen Trainer Laco Jurkemik gelingt zunächst kein Turnaround – im Gegenteil. Nach einem Derby-Debakel kann Sturm nur noch ein Wunder vor der Zweitklassigkeit retten. Neo-Manager Heinz Schilcher und Jurkemik krempeln den Kader während der Saison um, bringen viele junge Eigenbauspieler schon in Hinblick auf die zweite Liga in die Startformation und schaffen tatsächlich noch das erforderte Wunder zum Klassenerhalt – dann auch schon wieder auf einem vollen Sturmplatz.

1994 – 2002

Mit Osim zu den ersten Titeln

Im Sommer 1994 gelingen Schilcher und Kartnig ein weiteres Wunder. Sie lotsen den letzten gesamtjugoslawischen Teamchef – auch aufgrund des Krieges im ehemaligen Nachbarstaat – nach Graz. Zudem verpflichten sie den kroatischen Kreativspieler Ivica Vastić. Mit weiteren Talenten wie Mario Haas, Arnold Wetl, Markus Schopp, Gilbert Prilasnig oder Günther Neukirchner führt Osim eine neue Spielkultur in der Gruabn ein: Statt Kampf ist Kurzpassspiel die neue Formel, die Schwarz-Weiß langsam aber sicher an die Spitze des österreichischen Fußballs bringt. Bereits in der ersten Saison, 1994/95, wird Sturm unter Osim punktegleich mit Meister Austria Salzburg Vize-, geschlagen nur aufgrund des schlechteren Torverhältnisses. Schon eine Saison später folgt der erste nationale Titel im Profifußball: Zunächst zieht man in der Meisterschaft im entscheidenden direkten Duell der letzten Runde gegen Rapid den Kürzeren, doch nach einem 3:1 gegen die Admira kürt sich der SK Sturm zum Pokalsieger. 1996/97 gelingt die Bestätigung des Cupsieges mit dem neuerlichen Gewinn gegen die Vienna (2:1). Zum Saisonende verabschiedet sich die Anhängerschaft am 31. Mai 1997 nach über 78 Jahren von der Gruabn (3:0 gegen Rapid). Künftig spielen nur noch die Amateure am Sturmplatz.

Der Meisterteller ist endlich in Graz

Es folgt der Umzug ins neu erbaute Arnold-Schwarzenegger-Stadion, der heutigen Merkur Arena, wo das erste Spiel der Saison 1997/98, das Grazer Derby, mit 4:0 gewonnen wird – es sollte der Auftakt für eine fulminante Saison sein. Sturm wird, dank der Tore des magischen Dreiecks Haas – Vastić – Reinmayr, zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte Meister – mit dem damaligen Rekordvorsprung von 19 Punkten auf Vizemeister Rapid, fixiert den Titel bereits sieben Runden vor Schluss. Es folgt das Double in der Saison 1998/99 in einem dramatischen Saisonfinish, in dem Sturm binnen weniger Tage zunächst den LASK im Elfmeterschießen im Cupfinale (1:1nV, 4:2iE) bezwingt, das (Jahrhundert-)Derby in der vorletzten Runde in der Nachspielzeit dank eines Tores von Jan-Pieter Martens gewinnt (2:1) und zum Haas-Abschied nach Strasbourg – für die damalige Rekordsummer von über 50 Millionen Schilling – noch gegen den FC Tirol (3:0) den Meistertitel fixiert.

Stürmisch in der Champions League

Übertrumpft werden diese Erfolge nur noch durch die dreimalige Serienteilnahme an der Champions League-Gruppenphase von 1998/99 bis 2000/01. Während man unter anderem gegen Real Madrid, Inter, Olympique de Marseille oder Manchester United in den ersten beiden Saisonen in der europäischen Königsklasse noch Leergeld bezahlt, erreicht Sturm im dritten Teilnahmejahr den sensationellen Gruppensieg – vor UEFA-Cupsieger Galatasaray und den nationalen Meistern Rangers FC und AS Monaco. Schwarz-Weiß steht unter den besten 16 Mannschaften Europas und hat in der Zwischenrunde bis zum abschließenden Spieltag noch die Chance auf das Viertelfinale.

2002 – 2006

Abstiegskampf nach Osim

Doch das Hoch ist nicht von Dauer, 2000/01 wird man in direkter Folge der Champions League-Euphorie in der Meisterschaft nur Vierter und bleibt trotz der teuren Zugänge von Charles Amoah und Haas ohne einer großen internationalen Bewerbsteilnahme. Es folgt ein radikaler und teurer Umbau, der 2001/02 abermals den Vizemeistertitel und ein Cupfinale bringt. Aber im August 2002 scheitert Sturm in der Champions League-Qualifikation an Maccabi Haifa und kurz darauf tritt Trainer Osim nach einer 1:3-Heimniederlage gegen den FC Kärnten zurück. Seine Nachfolger Franco Foda und Gilbert Gress können nicht an Osims Erfolge anknüpfen und 2003/04 findet sich der SK Sturm plötzlich im Abstiegskampf wieder. Mischa Petrović schafft mit den Schwarz-Weißen zunächst den Klassenerhalt erst in der letzten Runde (4:1 gegen SW Bregenz vor 15.000 in Liebenau), danach die Verjüngung der Mannschaft – die wirtschaftliche Situation spitzt sich dennoch ein weiteres Mal in der Vereinsgeschichte zu.

Gruabnverkauf und Konkursantrag

Für die Saison 2005/06 erhält der Verein erstmals nur mit Auflagen die Spiellizenz für die Bundesliga, obwohl Kartnig zuvor sogar noch die Pachtrechte der Gruabn an die Stadt verscherbelt. Franco Foda erhält eine zweite Chance als Cheftrainer und schon im August 2006 ist klar, dass nur ein Konkursantrag mit Zwangsausgleich die Rettung von der erdrückenden Schuldenlast sein würde. Am 23. Oktober 2006 meldet Sturm Konkurs an, am 02. November übergibt Kartnig das Präsidentenamt nach 14 Jahren an Urgestein Hans Fedl.

2006 – 2012

Rettung und Wiederauferstehung

Im Spätherbst 2006 übernimmt eine Gönnergruppe um Fedl, Hans Rinner und Christian Jauk erreicht bei Masseverwalter Dr. Norbert Scherbaum die Fortführung des Spielbetriebes. Es folgt ein Verhandlungskrimi, der dank der Gönnergruppe und der von Jauk gewonnenen drei Investoren Raiffeisen, Grazer Wechselseitige und Styria Medien AG mit dem erfolgreichen Zwangsausgleich am 25. Jänner 2007 und einer neuen Führungsriege rund um Präsident Rinner und Finanzvorstand Jauk ein positives Ende findet. Im Frühjahr 2007 schafft Sturm trotz des Abzugs von 13 Punkten den Ligaverbleib. Und schon in der Saison 2007/08 sichert sich Sturm wieder den Titel des Herbstmeisters, am Ende bleibt Platz vier – man hat sich sportlich wie wirtschaftlich rehabilitiert. Auch aufgrund der ausgezeichneten Arbeit im Sturm-Nachwuchs, der in dieser Zeit Talente wie Sebastian Prödl, Christoph Leitgeb, Jürgen Säumel, Jakob Jantscher oder Daniel Beichler ausbildet.

25.000 Sturmfans in Klagenfurt und der dritte Meistertitel

Die Saison 2008/09 steht ganz im Zeichen des Jubiläumsjahres – der Verein feiert seinen Hunderter mit Platz vier und dem sensationellen Erreichen der Gruppenphase der neugeschaffenen UEFA Europa League. Die Besucherzahlen erreichen die höchsten Werte seit 1998. Sturm saniert sich, die Raten an die Investoren sind bereits mit Jahresende 2009 zurückbezahlt und das Trainingszentrum Messendorf ist umgebaut und modernisiert. Mit der wirtschaftlichen Sicherheit als Basis kann Franco Foda und seine Mannschaft im Jahr 2010 wieder an die glorreichen Zeiten der Ära Osim anschließen. Vor 25.000 Sturm-Fans im Klagenfurter Wörthersee-Stadion sichert ein Tor von Klemen Lavrić den Pokalsieg gegen Wiener Neustadt. Der erste Titel seit elf Jahren ist Realität.

Nur ein Jahr später folgt die unerwartete Potenzierung dieses Erfolgs. In einer engen Saison steigert sich das Team von Franco Foda vor allem im Frühjahr von Spiel zu Spiel und macht das Unmögliche möglich: Sturm Graz erringt den dritten Meistertitel der Vereinsgeschichte. Nur wenige Wochen nach dem Triumph scheitert man jedoch im Champions League-Play-off gegen den weißrussischen Meister BATE Borisov (1:1 und 0:2). In der Europa League-Gruppenphase reicht es immerhin für einen Sieg, in der Meisterschaft läuft es aber nicht nach Wunsch. Während Franco Foda seinen Abschied im Sommer ankündigt, stellt sich der Verein neu auf.

2012 – Heute

Professionelle Strukturen für neue Zeiten

Schon ab 2011 initiiert der Sportklub Sturm eine Frauenfußball-Sektion. In den ersten Jahren als Spielgemeinschaft mit dem FC Stattegg gelingt schon bald der Aufstieg in die Bundesliga, wo man bis 2022 gleich viermal den Vizemeistertitel und ein Cupfinale erreicht.
Bei den Männern verändert sich die Vereinsstruktur – fortan leiten ein wirtschaftlicher und ein sportlicher Geschäftsführer die Geschicke im Klub, zwischenzeitlich sogar mit einem übergestellten General Manager, mit Thomas Tebbich und Günther Kreissl kehrt in diesem Bereich Kontinuität ein. Und erst mit dieser stellt sich bei den Grazern auch wieder der sportliche Erfolg ein.
Abseits des Tagesgeschäfts installiert Sturm 2017 einen Legendenklub und engagiert sich bei der Bürgerinitiative zur Rettung der Gruabn, die 2021 sogar unter Denkmalschutz gestellt und deren Holztribüne renoviert wird.

David bezwingt Goliath

In einer fulminanten Saison 2017/18 erreicht Schwarz-Weiß zunächst den Herbstmeistertitel, verliert jedoch Trainer Franco Foda in seiner dritten Amtszeit in Graz an den ÖFB. Sein Nachfolger Heiko Vogel verändert den Spielstil, was dazu führt, dass Sturm erst nach einigen Übergangswochen unter dem Deutschen so richtig in Fahrt kommt. Im Cupfinale am 09. Mai 2018 kommt es zum Aufeinandertreffen mit dem Ligakrösus FC RedBull Salzburg. David-Sturm trotzt Goliath-Salzburg und schlägt in der Verlängerung durch Goldtorschütze Stefan Hierländer zu. Es ist der fünfte Cuperfolg für die Grazer. Kurz danach sichert sich der SK Sturm auch die Vizemeisterschaft.

RÜCKKEHR NACH EUROPA UND ZWEI CUPTITEL

Im Jahr 2020 – inmitten der Covid-19-Pandemie – übernimmt Andreas Schicker die sportliche Leitung und installiert wenig später Christian Ilzer in einer sportlich wie wirtschaftlich angespannten Situation. Zusammen verfolgen Schicker und Ilzer einen Dreijahresplan, der schon in der ersten Saison Früchte trägt: Platz drei und die erste fixe Qualifikation für eine europäische Gruppenphase nach zehn Jahren Pause sind das Resultat der harten Arbeit. Zu Saisonbeginn 2021/22 gelingt sogar der Einzug in die Europa League und am Ende in der Meisterschaft zum siebenten Mal in der Vereinsgeschichte der Vizemeistertitel. In der Saison 2022/23 trat Sturm zum zweiten Mal in Folge in der Gruppenphase der Europa League an und erspielte sich acht Punkte. Besonders bitter: Man schied als Gruppenletzter aus dem Europacup aus. Noch nie zuvor belegte eine Mannschaft mit acht Punkten den letzten Tabellenrang. Das Kuriose: Gruppensieger Feyenoord hatte dieselbe Anzahl an Zählern auf dem Konto.
Dafür spielte Sturm national eine weitere herausragende Saison, in der die Ilzer-Mannschaft am 30. April 2023 mit einem 2:0-Finalsieg gegen Rapid Wien den sechsten Cuptitel der Klubgeschichte einfahren konnte.
Noch besser lief es international eine Saison später, als in der Spielzeit 2023/24 das erste Mal ein europäisches Überwintern mit dem 3. Platz in der UEFA Europa League Gruppenphase geschafft wurde und danach sogar noch eine Runde überstanden wurde. National konnte man mit einem 2:1 Erfolg über Rapid in Klagenfurt den Cuptitel verteidigen und zum insgesamt 7. Mal den Pokal in die Höhe stemmen.