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SturmEcho #332: Darko Bodul

Die Winterausgabe des SturmEchos widmet sich heuer Darko Bodul und anderen Scharfschützen der schwarz-weißen Klubgeschichte.

Nach Stationen in Holland und Portugal scheint Darko Bodul endlich angekommen zu sein. Das SturmEcho #332 erzählt die Geschichte eines Wiener Straßenjungen, der auch aufgrund seiner herausragenden Schusstechnik noch sehr wertvoll für Schwarz-Weiß werden könnte.

So wertvoll, wie andere legendäre Scharfschützen des Grazer Traditionsklubs. Wir haben mit dem „Bullen aus Aachen“ Günther Delzepich über das Toreschießen mit Medizinbällen gesprochen und lassen die größten Momente von Alfred „Granatenfredl“ Murlasits aufleben.

Außerdem im SturmEcho #332: Christian Klem im Porträt, Präsident Gerald Stockenhuber im Interview und ein Rückblick auf die größte Auswärtsfanfahrt der Sturm-Europacupgeschichte.

Letzte Ruhe in Schwarz-Weiß

(Text: Martin Behr / Fotos: Martin Behr, Manfred Schager)


Vereinstreue bis in den Tod: Ein Grazer Ex-Bestatter, Neo-Unternehmer und „Erz-Schwarzer“ bietet eine neue Art der Grabgestaltung an. Das Sturm-Logo aus gebundenem Kies statt Stiefmütterchen auf dem eigenen Grabstein. Auch Spezialanfertigungen sind möglich.

 

Einmal ist jedes Spiel zu Ende. Inklusive Nachspielzeit. Der Abpfiff kommt für jeden, für den einen früher, den anderen später. „Alles, alles geht vorbei, doch wir bleiben treu!“ Aber wie? Beispielsweise mit einer Grabstätte, die ganz im Zeichen des zu Lebzeit vergötterten Vereins steht. Seit kurzer Zeit bietet der 43-jährige Grazer Manfred Schagerl eine letzte Ruhestätte für eingefleischte Sturm Graz-Fans an. Das Sturm-Grab. Drei schwarz-weiße Grabstätten, die eine über den Tod hinaus bestehende Zuneigung weithin sichtbar machen, existieren bereits, zwei in Gleisdorf, eine in Graz. Wo üblicherweise Stiefmütterchen aus der Erde wachsen, prangt das Sturm-Logo.

 

Der 43-Jährige ist ein Schwarzer. Ein „Erz-Schwarzer“, wie er sagt. „Seit meinen ersten Gedanken habe ich Sturm die Daumen gedrückt, mein Onkel hat mich auch immer zu Spielen in die Gruabn mitgenommen“, berichtet der gelernte Koch und Kellner, der später seinen Beruf wechselte. Manfred Schagerl wurde Bestatter. Lange Zeit angestellt bei einem Bestattungsunternehmen, machte sich Schagerl schließlich selbstständig. Suchte im Keller seines Andritzer Wohnhauses nach Innovationen und wurde auch fündig. Für seine Erfindung – Grabgestaltungen aus festgebundenem, wasserdurchlässigem Kies – meldete er ein Patent an. Manfred Schager: „Der Vorteil ist, man muss das Grab nicht ständig pflegen. Ich garantiere, dass zehn Jahre lang kein Gras auf meinen Gräbern wächst.“

 

Keine leichte Beute für Grabräuber

Wie das standardisierte Sturm-Grab aus der Firma Manfred Schagerl Service (MSM) aussieht? Auf einem grünen Kunstrasen, der die Erinnerung an packende Begegnungen weckt, liegt das erwähnte Sturm-Logo, das auf Grund seines Gewichtes – knapp 100 Kilogramm – keine leichte Beute für potenzielle Grabräuber darstellt. Indem der Kies gebunden und „hochpoliert“ ist, könne er auch nicht verschmutzen, sagt der Grabdesigner, der auf Wunsch freilich auch Beete für Blumen integrieren kann. Wie Schagerl den Kies dauerhaft zu binden vermag? „Mein Patent verrate ich natürlich nicht, aber es handelt sich um eine speziell veränderte Harzart.“

 

„Samma schwoaz, samma weiß, samma Sturm, samma Grazer“: Sprüche wie diese kann Schagerl, der ob seiner schriftstellerischen Begabung auch Trauerreden schreibt, auf dem Grabstein integrieren: „Im Prinzip ist alles möglich, auch Fußballdarstellungen, Trikots, wehende Fahnen, Fanklublogos oder das Antlitz von Ivica Vastic´.“ Für das klassische Sturm-Grab sind 4.000 Euro zu berappen, die Lieferzeit beträgt rund eine Woche. Erhält der Grazer einen Auftrag für eine schwarz-weiße Ruhestätte, spendet er 500 Euro für die Sturm-Jugend: „Das ist mit dem Klub so abgesprochen, ich habe auch die offizielle Genehmigung des Vereins, Sturm-Gräber produzieren zu dürfen.“

 

Erster Fanfriedhof in Deutschland

Die schönsten Erinnerungen, die der Ex-Bestatter und Neo-Unternehmer, mit Sturm verbindet? Schagerl braucht nicht lange für die Antwort auf diese Frage: „Die Reise mit meiner Mutter zum Champions League-Auswärtsspiel gegen Monaco. Wir haben zwar verloren, aber es war ein wunderschönes Erlebnis.“ Der 43-Jährige nennt weiters die beiden Meisterfeiern in den 1990er-Jahren sowie diverse Sternstunden seiner Lieblingskicker Jurtin, Szokolai, Bakota und eben Vastic´. Doch all das, was auf dem grünen Rasen ausgelebt werden kann, Rituale, Mythen und Emotionen, ist eben auch vergänglich.

 

Wenn die Zeit gekommen ist, muss die Vereinstreue aber nicht enden. In Deutschland etwa bietet der Hamburger Sportverein als erster Profiklub seinen Fans einen eigenen Friedhof an. Mit Bestattungen im HSV-Sarg und begleitet von der Stadionhymne. Ruhe sanft unter der Raute. Die postmortale Fanmeile in der Hansestadt ist bislang noch nicht der große kommerzielle Renner. „Kaum ein Fan will unter die Erde: Der Hamburger Sportverein wird seine Grabstellen nicht los“, titelte „Die Zeit“. Ob auch in Graz ein Sturm-Fanfriedhof denkbar wäre? Ein Gottesacker in unmittelbarer Nähe zur UPC-Arena? Mit „Steht auf für den SK Sturm“-Chören bei der Bestattung? Und in Marmor gemeißelter Treue („Wir würden für die Schwarzen durch die Hölle gehen“)? „Warum nicht?“, sagt Manfred Schagerl, der bei Friedhofskultur generell viel Toleranz walten lässt: „Ein Grab soll die Persönlichkeit des Verstorbenen ausdrücken, und da sollte alles erlaubt sein, was nicht gegen religiöse Gefühle, Sitte und Anstand oder gegen moralische Werte verstößt.“

 

Letzte Ruhe in Schwarz-Weiß. Aber nicht nur. Ob er denn auch Grabstätten für Daumendrücker des Lokalrivalen GAK anfertigen würde? „Bis jetzt gab es noch keine Anfrage, aber ich bin ein Geschäftsmann und muss auch überleben.“ Kunstrasen, gebundener Kies, veränderte Harzart: Vor dem Tod sind alle gleich.

Das SturmEcho #332 mit 27 Beiträgen zum Österreichischen Meister ist ab 09. Jänner 2012 in den Sturm-Fanshops erhältlich. Wer das SturmEcho nicht als Abonnent, Mitglied oder Dauerkartenbesitzer zugestellt bekommt, kann es sich hier per Abonnement sichern oder unter echo@remove-this.sksturm.at auch einzelne Ausgaben bestellen.

Weitere Informationen zum SturmEcho: 0316 / 771 771